Der Autor des Romans Wilhelm Meinhold wurde am 27. Februar 1797 im Pfarrhaus von Netzelkow (Gnitz) geboren. Er war von 1821 bis 1827 Pfarrer in Koserow und von 1827-1844 Pfarrer in Krummin. Den Plan zu dem bekannten Roman fasste er 1825 in Koserow, wo alte kirchliche Nachrichten von Hexenverbrennungen mit Erinnerungen an Gustav Adolf und die Schweden- zeit, sowie Berichte von märchenhaften Bernstein- funden zusammenliefen. Meinhold gab an, dass es sich bei seinem Roman um die Herausgabe eines beschädigten Manuskripts aus dem 17. Jahrhundert handle, das er unter dem Chorgestühl der Koserower Kirche entdeckt habe. In Wirklichkeit handelt es sich, bis auf einige Notizen aus alten Kirchenbüchern um reine Dichtkunst. In seinem historischen Roman wird die Zeit des Dreizigjährigen Krieges aber sehr lebensecht in Form und Inhalt dargestellt.

Durch den Roman sind Koserow und der Streckelsberg, der Pfarrer Schweidler und
der Junker von Nienkerken auf Mellenthin in die literarische Unsterblichkeit
eingegangen.
Der Roman beginnt mit der Not, die der Krieg auch über das Dorf Koserow
gebracht hat. Später treten die Hexereien im Dorf mehr in den Vordergrund.
Nachdem die Tochter des Pfarrers, Marie Schweidler eine Bernsteinader fand,
wurde sie zu Unrecht als Hexe angeklagt. Der darauf folgende Hexenprozess wird
im letzten Drittel des Romans ausführlich beschrieben.
"Spuren"
Die Kirche zu Mellenthin:
Darin befindet sich ein Kalksteinrelief mit Bildnissen des Rüdiger von
Neuenkirchen und seiner Frau Ilsabe von Eickstett.
Bei der Dame an der Seite des Ritters soll es sich um die Bernsteinhexe Maria
Schweidler handeln.
Der Roman schließt mit den Sätzen:
"Alle weiteren historischen Spuren ihres Daseins sind verschwunden und nur ein
in die Wand der Kirche zu Mellenthin gefügter Denkstein ist übriggeblieben, auf
welchem der unvergleichliche Junker mit seinem noch unvergleichlicherem Weibe
abgebildet ist"
Beide sollen kurz nacheinander gestorben und in einem Sarge begraben worden
sein, denn im Kirchengewölbe sieht man einen großen Doppelsarg, in welchem sich
auch eine unschätzbar wertvolle, goldene Kette befinden soll.
Laut Inschrift auf dem Relief ist das Paar schon 1594 gestorben, während der
Hexenprozess erst im Jahr 1630 im Schloss Pudagla stattfand.
Vor einigen Jahren wollte der Gutsbesitzer v. M. durch Verschwendung verarmt,
den Sarg öffnen lassen, um daraus das wertvolle Kleinod zu entwenden, aber er
vermochte es nicht. Wie durch einen mächtigen Zauber wurde er in seinen Fugen
festgehalten und ist bis auf den heutigen Tag noch uneröffnet geblieben.
P.S. Die literarische Quelle für den Ort des Hexenprozesses und die Sargöffnung
liefert in beiden Fällen Wilhelm Meinhold.

Der Prunksarg der "Bernsteinhexe", Kirchhof Benz
Der im Roman als habgierig, gewalttätig und genusssüchtig geschilderte
Amtshauptmann Peter Appelmann, sowie seine Gattin rückten zu Beginn des 20.
Jahrhunderts wieder ins Bild der Öffentlichkeit. Denn 1906 fand man auf dem
Kirchhof von Benz einen kupfernen Prunksarg mit bewegender Geschichte: Auf der
Suche nach Steinen zum Bau der Chaussee von Benz nach Bansin wurde der
Prunksarg auf dem alten Benzer Friedhof von Steinwerbern angestochen, da er nur
20-40 cm tief in der Erde lag. Der herbei gerufene Ortspfarrer ließ den Sarg
öffnen und stellte fest, dass die Leiche gestört und vielleicht beraubt worden
war.
Der Sarg wurde später werbewirksam in der Benzer Kirche aufgestellt und danach ins Heimatmuseum nach Swinemünde überführt. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist der Sarg verschollen.