IGEL Usedom-Verlag

Insel-Geschichten von Land und Leuten

Seebrücken auf den Inseln Wollin und Usedom

Eine der wichtigsten und interessantesten Einrichtungen der Badeorte waren und sind wieder die Seebrücken. Die größten Badeorte hatten auch die größten hölzernen Seebrücken, an denen auch Dampfer anlegen konnten.
Wenn auch alle Seebrücken ein unterschiedliches Aussehen hatten, so zeigt der Eingangsbereich im Detail oft große Ähnlichkeiten und es liegt deshalb die Vermutung nahe, dass die Wolgaster Actien-Gesellschaft für Holzbearbeitung am Bau beteiligt war. Der Erbauer der „Kaiserfahrt“ Dipl. Ing. Peter Adolph Dresel schied 1902 aus dem Staatsdienst aus, um als Ruheständler Seebrückenexperte für die noch geplanten großen Brücken zu werden, wie z. B. in Zinnowitz. Diesen Auftrag nahm er sehr ernst und überzeugte auch kritische Gemeindemitglieder.
Die kleineren Badeorte wie Bansin, Ückeritz, Kölpinsee, Koserow, Zempin und Karlshagen besaßen nur kleine Seebrücken bzw. Seestege, von denen Motorboote den Zwischenverkehr vermittelten oder die von den örtlichen Fischern genutzt wurden.  karte usedom wollin
Die ältesten Seebrücken, feste, 50-70 m in die See reichende Pfahlbauten mit breitem Vorbau, waren lediglich als Kurmittel gemeint. Die Verkehrszunahme führte dazu, Seebrücken gleichzeitig als Anlegestellen für Dampfschiffe auszubauen, deren wachsender Tiefgang allmählich Brücken bis zu 600 m Länge erforderte. Feste Brücken wären rasch ein Opfer der kurzen, hart schlagenden Ostseewellen geworden. Gegen sie hat sich die elastische Konstruktion bewährt. Ein Kranz locker gefügter Steinblöcke umgibt den Brückenkopf und wirkt wegen seiner Durchlässigkeit wie ein Puffer. Die statischen Anforderungen für Brückenbau sind neuerdings, um jede Gefahr auszuschließen, wesentlich seitens der Wasserbaubehörden erhöht, so daß jetzt ein Sicherheitscoefficient besteht, der bisher nicht in dieser Höhe als erforderlich erachtet war. Die Brücken unterliegen einer alljährlichen Freigabe für den Verkehr durch die technischen Aufsichtsbehörden. Die Dampfer selbst dürfen nirgends mehr an den Brückenkörper festmachen, sondern stets an isoliert davor stehenden Anlegepfählen. Die Sicherheit ist zur Zeit derartig, daß die Brücken auch als Vergnügungsstätten und für Verkaufsläden etc. deren Zulassung nötig ist, um einen Teil der sehr großen Unterhaltskosten zu decken, freigegeben sind. 1
Das Büchlein wurde sicherlich vor dem 18. Juli 1912 geschrieben, denn da ereignete auf der Prinz Heinrich - Brücke in Binz auf Rügen eine große Katastrophe.. Hunderte Ausflügler und Badegäste drängten sich auf der(…) Seebrücke von Binz. Kurz vor 19.00 Uhr, als der Bäderdampfer „Kronprinz Wilhelm“ anlegen wollte, brach die Anlegestelle am Brückenkopf trichterförmig in sich zusammen. Über Hundert Menschen stürzten ins Wasser. Dem schnellen Einsatz vor allem von Matrosen der auf der Reede liegenden Kriegsschiffe der Kaiserlichen Marine war es zu verdanken, dass die meisten gerettet werden konnten. Aber 17 Menschen, darunter sieben Kinder, ertranken. Das Unglück, seine Umstände und der Verlust von 17 Menschenleben, aber auch die Tatsache, dass allein ein Soldat unter Einsatz seines Lebens zwölf Menschen vor dem Ertrinkungstod gerettet hatte, blieb im Bewusstsein der Öffentlichkeit und führte zu entscheidenden Initiativen. 2
In deren Folge wurde im Oktober 1913 die Deutsche Lebens-Rettungs Gesellschaft in Leipzig gegründet. Das große Unglück bewirkte außerdem, dass danach alle anderen Seebrücken auf Baumängel überprüft wurden. Nach der Wende wurden in vielen Badeorten neue Seebrücken erbaut und der Ausflugsverkehr erlebte mit den Adler-Schiffen eine neue Blüte!

1Der Begleiter am Ostseestrande, Herausgegeben vom Verband Deutscher Ostseebäder e. V., o. J.
2Google: Chronik der DLRG in Momentaufnahmen, 90 Jahre Deutsche Lebens - Rettungs - Gesellschaft, 07.11.2009

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